Via CRONO, eine Routenbeschreibung

Informationen über eine Route konnte man früher nur auf der Hütte in der Nähe des Kletterzieles oder durch mündliche Vermittlung erhalten. Später kamen dann Kletterführer auf mit dieser Art Beschreibung: zB „nach einer Felsnase ca. 10 Meter leicht links ansteigen, um eine Kante herum, bei einem Bäumchen steil hinauf auf den Überhang zu“… oder so ähnlich.

Heute sind die Kletterführer mit Fotos, Wandbildern, Topos sehr exakt mit allen wichtigen Details, sodass man sich sehr gut orientieren und auch die Auswahl leicht treffen kann. 

 

Hier ist eine andere Art Routenbeschreibung. Ich finde es sehr schön, nach einer Klettertour noch einmal alle Seillängen und Passagen in der Vorstellung nachzuverfolgen. Die Route und das Erlebnis der Bewegungen am Fels prägen sich viel intensiver ein und manche Besonderheit wird erst durch diese Erinnerung bewusst.


Via Crono, Parete San Paolo, Arco, Trentino

 

Die Route Crono ist eindrücklich. Sie fordert heraus und kommt dem Kletterer mit einem gewissen Ernst entgegen, der jedoch nicht hart und abweisend ist. Man fühlt sich sogar recht aufgenommen. Die Passagen lösen sich immer sehr gut auf. 

 

Sie hat alpinistischen Charakter und das Legen von Friends muss gut beherrscht werden. Insbesondere im oberen Bereich sind die Sicherungsabstände länger.

 

Risse und Verschneidungen kennzeichnen im Wesentlichen die Linie. 

 

Schon in der ersten Seillänge gelangt man nach großen Stufen mit hellgrauem Fels in eine schöne helle, gelbe Verschneidung, die einen Anklang für die noch folgenden gibt. Sie wird kurz vor dem Aussteigen nach rechts anspruchsvoller, löst sich aber gut auf, indem man mit dem linken Bein etwas nach links hinausspreizt und noch etwas hinauf über die lange Schlinge steigt.

 

Die 2. Seillänge lässt das Gegenteil einer Verschneidung erleben: Es folgt ein kleiner runder Pfeiler, bei dem man luftig an der runden Kante emporturnt. Während man bei der Verschneidung innen zwischen zwei Felswänden entlangsteigt, ist man nun am Pfeiler frei außen in der Luft.

 

Die 3. Seillänge leitet nach links eine Mulde querend in einen anderen Abschnitt. Man klettert auf einer schönen hellen Schuppe hinauf auf eine kleine Wand mit einem schönen Aufschwung. Über leistenartige Tritte und große, aber flache Griffe ist dieser geschickt zu überwinden. 

 

In der 4. Seillänge geht es nochmals etwas rampenartig nach links. Es sieht leicht aus, erweist sich aber dann als abdrängend und eine steile, bauchige, mit Tropflöchern strukturierte Wand erfordert beherztes Aufrichten, damit man sich mittels der zwei folgenden Schuppen hinaufschwingen kann.

 

Nun in der 5. Seillänge leitet die zentrale glatte Verschneidung hinauf in die langen Risse, in denen man mit vielseitigem Bewegungsspiel zum nächsten Stand rhythmisch hinaufgeleitet wird.

 

Die 6. Seillänge beginnt gleich mit dem anspruchsvollen, faustbreiten grauen Riss, der ganz speziell bauchig leicht geneigt nach links verläuft und den man sowohl mit Händen als auch mit Füßen schmal hineinsteigend und dem Spiel mit dem Gleichgewicht bewältigen kann. Eine gewagte Querung nach links, die aber immer wieder gute Griffe und Tritte bereithält, führt in eine Art Rinne mit gelben Dächern. Spreizend und stemmend geht es athletisch hinauf unter die blockige Gipfelzone. 

 

Die 7. und letzte Seillänge mit ihren Blöcken und schönem rauen Fels schenkt einen etwas leichteren Ausklang. Nach den vorhergehenden Seillängen fühlt man sich nun wirklich körperlich ein wenig leichter und kann sich - der Anfangsschwere entledigt - spielerisch über die Gipfelblöcke aufschwingen.

 

Seillänge um Seillänge fügen sich harmonisch aneinander. Keine Passage fällt aus dem Gesamten heraus.

 

In der Skizze der Erstbegeher Heinz Grill, Franz Heiss, Florian Kluckner findet man zum Routennamen dies: 

„Kronos (ital. Crono) ist mit dem Gerechtigkeitssinn und der Genauigkeit verbunden;

er ist der Vater des Zeus und korrespondiert in der römischen Mythologie mit dem Saturn.“

 https://arrampicata-arco.com/